Zwei Akteure zusammenbringen: Dialog Schule-Wirtschaft

Der Dialog Schule-Wirtschaft bietet ein praxisorientiertes, informelles Austauschgefäss zum Berufswahlprozess von Jugendlichen.

Im Kanton Thurgau ist ein Austausch zwischen den Schulen und der Wirtschaft im Rahmen des Berufswahlprozesses von Jugendlichen nicht flächendeckend gewährleistet und oft von der Initiative einzelner Lehrpersonen, Schulgemeinden oder Betrieben abhängig. Bewährt hat sich der Austausch im Rahmen von «Dialog Schule – Wirtschaft», welcher jährlich in Frauenfeld und Arbon durchgeführt wird und künftig im ganzen Kanton zur Verfügung stehen soll. Der Übertritt von der Sekundarschule ins Berufsleben ist für Jugendliche mit vielen Fragen verbunden, mit denen sie sich im Rahmen des Berufswahlunterrichts an der Sekundarschule auseinandersetzen. Dabei bieten verschiedene Gefässe Einblicke in die Unternehmens- und Berufswelt, insbesondere die jährlich stattfindende Berufsmesse in Weinfelden, aber auch örtliche Tischmessen, Berufswahlparcours oder Schnupper-Möglichkeiten. Ein Austausch zwischen den Berufsbildenden seitens der Betriebe und den Lehrpersonen an den Schulen ist allerdings im Kanton nicht flächendeckend gewährleistet. Die gegenseitigen Erwartungen von Schule und Wirtschaft sind teilweise unterschiedlich und die Klärung offener Fragen wichtig. 

Dialog Schule-Wirtschaft: Ein bewährtes Erfolgskonzept 

Um das zu gewährleisten, führen der Industrie- und Handelsverein Frauenfeld sowie die Arbeitgebervereinigung Arbon schon seit mehreren Jahren einen jährlich stattfindenden Dialog Schule-Wirtschaft durch. Dieser Anlass stösst an beiden Orten mit jeweils fast 90 Teilnehmenden auf reges Interesse. Ziel des Dialogs ist es, die Zusammenarbeit und Vernetzung zwischen Schulen und Ausbildungsbetrieben zu fördern und Verständnis für die gegenseitigen Anliegen zu schaffen. Die Sichtbarkeit der regionalen Betriebe an den Schulen wird durch den Dialog erhöht, und es entsteht ein Netzwerk zwischen lokaler Wirtschaft und verantwortlichen Lehrpersonen, welches einen niederschwelligen, persönlichen Austausch ermöglicht. Der Dialog Schule-Wirtschaft findet jeweils bei einem Gastgeber-Unternehmen oder an einer Schule statt. Gestartet wird am Nachmittag mit einem Impuls-Referat zu einem aktuell relevanten Thema der Berufswahl plus einer Betriebsbesichtigung, falls der Anlass in einem Unternehmen stattfindet. Den Abschluss bildet ein Apéro, der genügend Raum zum persönlichen Austausch zwischen Schul- und Wirtschaftsvertretern bietet. Teilnehmende am Dialog sind Schulpräsidien, Schulleiter und Lehrpersonen der Sekundarstufe I und II, Vertreter der Berufsberatung und des Berufswahlparcours sowie Ausbildungsverantwortliche der regionalen Betriebe. Die Lehrpersonen gewinnen so ein vertieftes Verständnis für die Anforderungen und Chancen in der Berufswelt und die Betriebe ihrerseits erhalten einen Einblick in die schulischen Rahmenbedingungen und die Bedürfnisse der Jugendlichen im Prozess der Berufswahl – eine Win-Win-Situation für beide Seiten. 

Veränderungen der Arbeitswelt im Fokus des Dialogs von Frauenfeld

Im Zentrum des jüngsten Dialogs Schule-Wirtschaft in Frauenfeld standen die Auswirkungen der Digitalisierung und die damit verbundenen Veränderungen in der Arbeitswelt, welche gemeinsam mit Experten von Avenir Suisse und ETH erörtert wurden. Aufgrund der zunehmenden Digitalisierung werden MINT-Berufe an Bedeutung gewinnen. Besonders gefragt sind künftig Ausbildungen in den Bereichen Technik, Robotik, künstliche Intelligenz, erneuerbare Energien und Gesundheit, während die Nachfrage nach Berufen mit klassischen Büroarbeiten künftig eher rückläufig ist. Die Veränderungen in der Arbeitswelt verlangen auch nach neuen Kompetenzen: Neben technischem Fachwissen werden soziale und emotionale Intelligenz, Kreativität und Selbstmanagement immer wichtiger. Hier sind sowohl Schulen als auch Unternehmen gefordert, damit die Fachkräfte von morgen das nötige Rüstzeug mitbringen. Der kommende Frauenfelder Dialog Schule-Wirtschaft findet am Donnerstag, 27. August im Bildungszentrum für Technik statt und ist dem Thema «Psychische Gesundheit» gewidmet. 

Unternehmenseinblick am Dialog von Arbon

Veranstaltungsort des diesjährigen Dialogs in Arbon Anfang Mai war die FPT Motorenforschung AG, die den Teilnehmenden einen vielseitigen Einblick hinter die Kulissen eines international tätigen Industrieunternehmens ermöglichte. Im Zentrum des Abends standen die Berufsbildung und der Praxisbezug: Ein engagiertes Lehrmeisterreferat zeigte auf, wie Unternehmen junge Menschen auf ihrem Weg ins Berufsleben begleiten. Ergänzend dazu bot der anschliessende Rundgang durch den Betrieb konkrete Einblicke in Arbeitsabläufe, Technologien und Ausbildungsplätze. Beim Apéro nutzten die Teilnehmenden die Gelegenheit, sich in ungezwungener Atmosphäre zu vernetzen und aktuelle Themen aus Bildung und Wirtschaft zu vertiefen. 

Dialog für den ganzen Kanton

Das bewährte und erfolgreiche Format Dialog Schule-Wirtschaft soll künftig im ganzen Thurgau auf informelle Art ermöglicht werden, um das Potenzial der Lernenden, des Gewerbes und der Wirtschaft als Ganzes optimal nutzen zu können. Die Organisation in weiteren Regionen des Kantons soll dezentral auf Initiative lokaler Trägerschaften erfolgen. Die Dialoge sind als Ergänzung zu den bereits vorhandenen Angeboten im Rahmen der Berufswahl zu verstehen und setzen dort an, wo zusätzlicher Austausch sinnvoll ist.

Zum Bericht im Thurgauer Wirtschaftsbarometer

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